Arbeitszeugnisse / Codierungen


Arbeitszeugnisse müssen gemäss Gesetz positiv abgefasst sein. Daher haben die Unternehmen angefangen die negativen Feststellungen bezüglich der Leistung eines Arbeitnehmers versteckt festzuhalten. Damit Ihr Euer Zeugnis analysieren könnt, habe ich meinen ersten Blogeintrag dem Thema Zeugniscodierungen gewidmet.

Ein vollständiges Zeugnis beinhaltet folgende Bereiche:

– Überschrift
– Eingangsformel (Personalien, Dauer des Anstellungsverhältnisses)
– Tätigkeitsbeschreibung (Aufgaben, Führungsverantwortung, Kompetenzen)
– Leistungsbeurteilung (Arbeitsbefähigung, Arbeitsbereitschaft, Arbeitsvermögen, Arbeitsweise, Arbeitsergebnis, Arbeitspotential, Erfolge, Urtei)
– Verhaltensbeurteilung (ggü Internen, Kunden, Vorgesetzten, Führungsbeurteilung)
– Schlussformulierung
– Datum und Unterschrift (Direkter Vorgesetzter und HR)
Verschlüsslungstechniken:

– Schweigen: Wichtige Bereiche werden wissentlich vollständig weggelassen um nichts Negatives sagen zu müssen. Fehlen grosse Teile der Leistungsbeurteilung, muss man davon ausgehen, dass die Leistung alles andere als überdurchschnittlich war.

– Anordnung: Unwichtige oder weniger wichtige Aussagen werden vor die Kernaussagen gesetzt. Wenn bei den Aufgaben z.B. als erstes die Büromaterialverwaltung hervorgehoben wird, gibt dies ein negatives Bild ab.

– Ausweichen und Einschränken: Beim „Ausweichen“ betont der Zeugnisaussteller Selbstverständlichkeiten und Nebensächlichkeiten. Wichtige Qualifikationen fallen dagegen unter den Tisch. Beispiel: Wird in einem Arbeitszeugnis lediglich das elegante Outfit der Chefsekretärin gelobt, dann besteht Gefahr. Beim „Einschränken“ werden positive Aussagen räumlich oder zeitlich begrenzt. Beispiel: „In unserem Betrieb galt er als Spezialist für…“ Im Klartext: in anderen Unternehmen mag das ganz anders gesehen werden.

– Wortkarg : Viele Arbeitszeugnisse sind lieblos runtergeschrieben. Man merkt sofort, dass diesem Arbeitnehmer keinerlei Sympathie mehr entgegengebracht wird. Gerade bei hochqualifizierten Arbeitnehmern wirkt ein derart wortkarges Zeugnis als eine Abwertung der Person. Eine andere Technik setzt die Schlussformel des Arbeitszeugnisses bewusst in Widerspruch zu den anderen Zeugnisteilen und entwertet es dadurch vollständig. Beliebt ist in diesem Zusammenhang auch der Abschlussabsatz, in dem sich neben Worten des Bedauerns auch Äußerungen mit Kritik befinden.

– Andeutung: Das „Andeuten“ vermittelt nur dem kundigen Leser negative Schlussfolgerungen. Dem Arbeitnehmer werden Charaktereigenschaft zugesprochen, die im Fachjargon eine eindeutig negative Bedeutung haben. Der kritische, anspruchsvolle und leistungswillige Mitarbeiter wird häufig Schwierigkeiten haben eine neue Stelle zu finden.

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